Info zu Höhlen in Baden-Württemberg

(zitiert aus Ministerium für Umwelt, Klina und Energiewirtschaft Baden-Württemberg)

Karsthöhlen in Baden-Württemberg

Bild: Laichinger Tiefenhöhle

Laichinger Tiefenhöhle (Alb-Donau-Kreis)
(© LGRB, Autor: Burgmeier)
Bild: Vogelherdhöhle (Lonetal-Härtsfeld)

Vogelherdhöhle im Lonetal (Ldkr. Heidenheim)
(© LUBW, Autor: C. Ritter)
Bild: Blautopf (Blaubeuren)

Die bekannte Karstquelle Blautopf in Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Höhlen als Einstieg in eine dunkle und unbekannte Welt haben Menschen schon immer in den Bann gezogen. Zunächst dienten sie als Wohn- und Lebenstätte frühzeitlicher Menschen, ab dem Mittelalter als Rückzugsgebiet für gesellschaftliche Randgruppen wie Kranke, Kriminelle (Räuber) und politisch oder religiös Andersdenkende (Aufständige, Eremiten). In unseren Tagen stellen viele Höhlen interessante und beliebte Erlebnisorte für den Tourismus dar.

Baden-Württemberg ist reich an Höhlen. Ihre überwiegende Zahl befindet sich im Bereich der Schwäbischen Alb. Die meisten Höhlen sind als sog. Karsthöhlen entstanden, also durch die kontinuierliche Auflösung des Jura-Kalksteins durch eindringendes Regen- bzw. Sickerwasser. Aus dem klassischen Karstgebiet des Weiß-Juras sind derzeit rund 2000 Höhlen bekannt. Verbreitungsschwerpunkte liegen dabei auf der Mittleren Alb sowie auf der Ostalb.

Als Höhle werden Gesteinshohlräume ab einer Länge (Tiefe) von 5 m definiert. Dies entspricht dem allg. internationalen Standard. Das Höhleninnere ist charakterisiert durch eine Kombination abiotischer Faktoren, die Höhlen von anderen Lebensräumen unterscheiden:

  • Höhlen sind lichtlos. Deshalb können in ihnen keine grünen Pflanzen wachsen und damit keine Primärproduktion von organischer Substanz stattfinden.
  • Höhlen sind keine autarken Biotope. Ihre Lebensgemeinschaften sind auf die ständige Energiezufuhr von außen in Form von organischer Substanz angewiesen.
  • Höhlen haben eine hohe Luftfeuchtigkeit. Sie liegt außer in Höhlen mit ausgeprägten Luftströmungen bei über 90 %.
  • Höhlen besitzen im Innern eine weitgehend konstante Temperatur. Sie entspricht dem Jahresmittel der umliegenden Landschaft.

Die wissenschaftliche Erkundung und Erschließung von Höhlen begann auf der Schwäbischen Alb Anfang des 19. Jh., – u.a. mit der Bärenhöhle bei Sonnenbühl-Erpfingen im Landkreis Reutlingen. Besonders bekannt sind die Laichinger Tiefenhöhle (Alb-Donau-Kreis), der Blautopf in Blaubeuren (Ldkr. Ulm) und die Vogelherdhöhle im Lonetal (Ldkr. Heidenheim). Aus den vier Höhlen Hohlenstein, Vogelherd, Geißenklösterle und Hohle Fels auf der Schwäbischen Alb stammen die ältesten, bisher bekannten Kunstwerke und Musikinstrumente der Welt! Diese faszinierenden Schnitzereien wurden fast ausschließlich aus Mammutelfenbein hergestellt und sind zwischen 35.000 und 40.000 Jahre alt. Die bislang mit etwa 30 cm Höhe größte aller eiszeitlichen Figuren ist der Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel im Lonetal bei Asselfingen.

Höhlen, Grotten und Bergwerke unterliegen dem Bergrecht, hier in Baden-Württemberg dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg (i.Br). Darüberhinaus sind diese Karsterscheinungen Zeugen der Erdgeschichte und damit als naturgeschichtliche Urkunde gesetzlich geschützt.